Chip-Knappheit

28.7.2021 | Marktanalysen Lange Lieferzeiten im Channel: Die Chip-Knappheit hält an

Der Mikrochip-Mangel hält die Wirtschaft weiterhin in Atem. Nach Angaben von Gartner wird die Knappheit sehr wahrscheinlich noch bis ins Jahr 2022 andauern.

 

Der Mikrochip-Mangel hält die Weltwirtschaft weiterhin in Atem. Nach Angaben von Gartner wird die Knappheit sehr wahrscheinlich noch bis ins Jahr 2022 andauern. Analysen der ITscope-Plattform zeigen, dass die Preise nach dem Peak im Mai wieder fallen, von einem Normalzustand kann man aber noch lange nicht sprechen.

Karlsruhe, 29.07.2021 – Weiterhin sorgen Chip-Engpässe für Produktionsverzögerungen und auch der Channel bleibt davon natürlich nicht verschont. Die Knappheit beeinflusst ITK-Lieferungen derzeit massiv, wie uns erst kürzlich einer unserer Kunden aus dem Systemhausumfeld erzählte: Sein Kunde aus der Industrie wiederum wollte einen Laptop bestellen, was er ihm auch bestätigte – allerdings mit einer Lieferzeit von drei Monaten. Was der Industriekunde als kleinen Scherz aufgefasst hatte, stellte sich als vollkommen ernst gemeint heraus, wie er nach einigen Wochen schmerzlich feststellen musste.

Unterhaltungen wie diese werden aktuell häufiger geführt, denn die Lieferzeiten vieler Produkte verzögern sich extrem – der vorherrschende Mangel an Mikrochips hat die weltweite Wirtschaft noch immer fest im Griff. Wie sich das auf die ITK-Branche auswirkt, haben wir bereits vor einigen Wochen analysiert – doch bisher hat sich die Situation kaum verbessert.

Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner zufolge wird die Knappheit noch bis ins Jahr 2022 andauern und die Produktion vieler elektronischer Geräte massiv einschränken. Doch warum ist keine Besserung in Sicht, sondern vielmehr das Gegenteil der Fall? Laut Gartner sind es weniger die hochindividualisierten Chips, die die Probleme verursachen, sondern standardisierte “Massenware”-Chips. In diesem Bereich steht eine geringe Marge einer hohen Marktkonzentration gegenüber, die die Flexibilität des Markts stark einschränkt – schnell die Produktion hochzufahren ist dabei nicht möglich. Die bis vor einigen Monaten noch vorhandene Ware wurde während der Pandemie in besonders gesuchte Produkte, wie beispielsweise Notebooks, verbaut. Jetzt sind die Vorräte aufgebraucht, Nachschub kann nur sehr langsam nachproduziert werden und in der Konsequenz bleiben die Preise weiterhin hoch.

Dieses Bild spiegelt auch die ITscope Plattform wieder: Zwar haben sich die Verfügbarkeiten wieder etwas stabilisiert, trotzdem liegen die Preise immer noch deutlich über dem “Vorkrisenniveau” – wie auch das Beispiel der seit 2016 gelisteten Backup Plus Hub STEL8000200 von Seagate zeigt. Seit der letzten Analyse Ende Mai ist der HEK zwar merklich gefallen, liegt aber mit aktuell 165 Euro immer noch um ungefähr 30 Prozent über dem HEK von rund 120 Euro zu Beginn des Jahres.  

 

Preis/Lager/Status-Historie Seagate Backup Plus Hub (Hst.-Nr. STEL8000200) Januar bis Juli 2021

 

Interessant ist auch das Beispiel der NVIDIA Quadro P620 von HP, einer seit 2018 gelisteten Grafikkarte: Mit Abfallen des Bestands Ende Juni steigt der HEK auf einen Wert, der noch über dem Markteinführungspreis (rund 200 Euro) der Grafikkarte liegt – nämlich auf aktuell über 220 Euro. Im Vergleich zum Jahresbeginn hat sich der HEK von damals 115 Euro damit fast verdoppelt.

 

Preis/Lager/Status-Historie HP NVIDIA Quadro P620 (Hst.-Nr. 3ME25AA) Januar bis Juli 2021

 

Auch im ITscope Marktbarometer des letzten Quartals zeichnete sich die Chip-Knappheit, vor allem im Bereich der Grafikkarten, deutlich ab. Die erst- und zweitplatzierte Grafikkarten, beide vom Hersteller MSI, erreichen allein jeweils über 5.000 Klicks. Und auch der Preis steigt bei beiden im Vergleich zum Vorquartal deutlich an: Bei der MSI GeForce RTX 3070 VENTUS 3X OC um 20 Prozent auf 1.050 Euro und bei der MSI GEFORCE RTX 3080 GAMING X TR auf rund 1.300 Euro im HEK, ein Wachstum von 13 Prozent. 

Der Blick in die Zukunft ist aktuell ungewiss: Intels CEO Pat Gelsinger erwartet sogar, dass sich Angebot und Nachfrage in Bezug auf Chips nicht vor 2023 wieder in Einklang bringen lassen. Abnehmer müssen sich also auch zukünftig auf Lieferverzögerungen einstellen.


Die ITscope-Plattform bietet Ihnen dafür auch während der aktuellen Lage den perfekten Markteinblick: Wer hat wieviel von welchem Artikel auf Lager? Und zu welchem Preis? Dank einfacher Produktsuche, übersichtlichem Preisvergleich und mehr als 400 verschiedenen Lieferanten erhalten Sie bei ITscope Antworten auf diese Fragen. So haben Sie zwar keine Lösung für die generelle Chip-Knappheit, aber eine Ausweichmöglichkeit, um Ihre Kunden weiterhin bedienen zu können.

 

Eileen Müller

Written By: Eileen Müller